IT-Beratung verkaufen: So gewinnen Sie Consulting-Mandate
Wie verkauft man IT-Beratung? Strategien für die Akquise von Consulting-Projekten, von der Positionierung über den Pitch bis zum Abschluss.
IT-Beratung verkaufen: So gewinnen Sie Consulting-Mandate
IT-Beratung zu verkaufen ist anders als Produkte zu verkaufen. Sie verkaufen etwas Unsichtbares: Expertise, Erfahrung und Vertrauen. Dieser Artikel zeigt, wie IT-Berater mehr und bessere Mandate gewinnen.
Warum IT-Beratung schwer zu verkaufen ist
Das Dilemma der Beratung
Sie verkaufen:
- Etwas Abstraktes (Wissen, Methodik)
- Etwas Individuelles (jedes Projekt anders)
- Etwas Zukünftiges (Ergebnis noch nicht da)
Kunden kaufen:
- Ungern die Katze im Sack
- Lieber konkrete Produkte
- Nach Vertrauen, nicht nach Datenblatt
Die Lösung: Machen Sie das Abstrakte greifbar. Zeigen Sie Ergebnisse, nicht Prozesse.
Die zwei Verkaufsebenen
Ebene 1: Expertise beweisen
- Fachliche Kompetenz zeigen
- Branchenwissen demonstrieren
- Methodik erklären
Ebene 2: Vertrauen aufbauen
- Zuverlässigkeit ausstrahlen
- Chemie herstellen
- Risiko minimieren
Viele Berater fokussieren auf Ebene 1 und vergessen Ebene 2. Der Kunde muss fachlich überzeugt sein UND Ihnen vertrauen.
Phase 1: Positionierung
Warum Spezialisierung zählt
"Wir beraten in allen IT-Themen" ist keine Positionierung. Es ist Beliebigkeit.
Spezialisierung wirkt, weil:
- Expertise in einer Nische > breites Halbwissen
- Höhere Tagessätze durchsetzbar
- Einfacher zu finden (SEO, Empfehlungen)
- Klare Message
Die drei Dimensionen der Spezialisierung
1. Thema / Technologie:
- Cloud-Migration
- SAP-Implementierung
- IT-Security
- Digitale Transformation
2. Branche:
- Finanzdienstleister
- Gesundheitswesen
- Produzierendes Gewerbe
- Public Sector
3. Projekttyp:
- Strategie-Beratung
- Implementations-Beratung
- Interim Management
- Schulung / Enablement
Ideale Kombination: 2 von 3 Dimensionen spitz, eine breit.
Beispiele:
- "Cloud-Strategie für Finanzdienstleister" (Thema + Branche)
- "SAP S/4HANA Migration" (Thema spitz, Branche offen)
- "IT-Interim-Management für Mittelstand" (Projekttyp + Zielgruppe)
Ihre Positionierung formulieren
Template:
"Ich helfe [Zielgruppe] bei [Problem/Thema], damit sie [Ergebnis] erreichen."
Beispiele:
"Ich helfe mittelständischen Unternehmen bei der Cloud-Migration, damit sie IT-Kosten senken und schneller innovieren können."
"Ich unterstütze Banken dabei, ihre Legacy-Systeme zu modernisieren, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden."
Phase 2: Sichtbarkeit schaffen
Content Marketing für Berater
Ziel: Als Experte wahrgenommen werden, bevor der Kunde Sie kontaktiert.
Formate, die funktionieren:
- LinkedIn-Posts (kurz, regelmäßig)
- Blogartikel (tiefgründig, SEO-optimiert)
- Whitepaper (Lead-Magneten)
- Webinare (interaktiv, Lead-Generierung)
- Vorträge (Reputation)
Themen, die ziehen:
- Lessons Learned aus Projekten
- Trends und Einordnung
- Vergleiche und Entscheidungshilfen
- Fallstudien (anonymisiert)
LinkedIn-Strategie für Berater
Profil:
- Headline = Positionierung
- About = Problem + Lösung + Warum Sie
- Featured = Fallstudien, Artikel
Content:
- 2-3 Posts pro Woche
- Insights > Eigenwerbung
- Stories > Fakten
- Kommentare bei anderen
Engagement:
- Relevante Kontakte connecten
- In Gruppen aktiv sein
- DMs gezielt (nicht spammy)
Referenzen und Fallstudien
Referenzen sind Ihr wichtigstes Verkaufsmaterial.
Fallstudien-Struktur:
- Ausgangssituation: Kunde, Branche, Herausforderung
- Vorgehen: Was haben Sie gemacht?
- Ergebnis: Messbare Verbesserung
- Zitat: Statement des Kunden
Beispiel:
Kunde: Mittelständischer Maschinenbauer (500 MA)
Herausforderung: 5 verschiedene ERP-Systeme durch Zukäufe, keine einheitliche Datenbasis, manuelle Konsolidierung.
Lösung: Strategie-Workshop, Systemauswahl, Implementierungsbegleitung über 18 Monate.
Ergebnis: Ein konsolidiertes ERP, 35% weniger IT-Kosten, Echtzeit-Reporting.
Kundenstimme: "Die Beratung hat uns vor teuren Fehlentscheidungen bewahrt." – IT-Leiter
Phase 3: Leads generieren
Inbound: Kunden kommen zu Ihnen
Kanäle:
- Website mit SEO-optimiertem Content
- LinkedIn-Präsenz
- Empfehlungen
- Vorträge und Webinare
Vorteil: Qualifizierte Anfragen, Kunde hat bereits Interesse Nachteil: Aufbau dauert, nicht steuerbar
Outbound: Sie gehen auf Kunden zu
Kanäle:
- LinkedIn-DMs (personalisiert!)
- Kalt-E-Mails
- Telefon
- Events und Networking
Vorteil: Proaktiv, skalierbar Nachteil: Aufwendig, niedrige Response-Raten
Der richtige Mix
Für Einsteiger (wenig Referenzen):
- 70% Outbound, 30% Inbound-Aufbau
Für Etablierte (gute Reputation):
- 30% Outbound, 70% Inbound
Kaltakquise für Berater
Der häufigste Fehler:
"Wir bieten IT-Beratung an. Haben Sie Bedarf?"
Der bessere Ansatz:
"Ich habe gesehen, dass Sie gerade [Thema/Projekt] angehen. Ich habe bei [ähnlichem Unternehmen] ein vergleichbares Projekt begleitet und einige Insights gewonnen. Möchten Sie sich 15 Minuten austauschen – ohne Verkaufspitch?"
Warum das funktioniert:
- Konkret statt allgemein
- Wertangebot statt Bittstellung
- Niedrige Einstiegshürde
Phase 4: Das Erstgespräch
Ziele des Erstgesprächs
- Verstehen: Was ist das Problem wirklich?
- Qualifizieren: Passt der Kunde zu mir?
- Positionieren: Warum bin ich der Richtige?
- Nächster Schritt: Was passiert danach?
Die Kunst des Fragens
Offene Fragen:
- "Erzählen Sie mir von der aktuellen Situation."
- "Was haben Sie bereits versucht?"
- "Was würde sich ändern, wenn das Problem gelöst wäre?"
Vertiefende Fragen:
- "Können Sie ein konkretes Beispiel geben?"
- "Was meinen Sie genau mit X?"
- "Wie wirkt sich das auf Y aus?"
Kaufsignale erkennen:
- "Wann könnten Sie starten?"
- "Haben Sie so etwas schon mal gemacht?"
- "Was würde das ungefähr kosten?"
Was Sie nicht tun sollten
- Zu viel reden (max. 40% Sie, 60% Kunde)
- Sofort Lösungen präsentieren
- Den Preis nennen, bevor der Wert klar ist
- Versprechen, die Sie nicht halten können
Das Gespräch steuern
Einstieg (5 Min):
"Danke für Ihre Zeit. Bevor wir starten – was wäre für Sie ein gutes Ergebnis dieses Gesprächs?"
Exploration (20-30 Min):
- Situation verstehen
- Problem vertiefen
- Stakeholder identifizieren
- Budget und Zeitrahmen erkunden
Positionierung (10 Min):
"Basierend auf dem, was Sie mir erzählt haben, habe ich eine erste Idee, wie wir vorgehen könnten..."
Nächster Schritt (5 Min):
"Der nächste sinnvolle Schritt wäre ein detailliertes Angebot / ein Workshop / ein weiteres Gespräch mit X. Wie sehen Sie das?"
Phase 5: Das Angebot
Wann ein Angebot schreiben
Angebot schreiben, wenn:
- Klarer Bedarf identifiziert
- Entscheider involviert
- Budget prinzipiell vorhanden
- Timing passt
Kein Angebot schreiben, wenn:
- Nur Informationssammlung
- Kein klares Problem
- Keine Entscheidungskompetenz
- "Schicken Sie mal was zu..."
Das Beratungsangebot strukturieren
1. Executive Summary
- Problem in Kundensprache
- Ihre Lösung (High-Level)
- Erwartetes Ergebnis
- Investition
2. Ausgangssituation
- Was Sie verstanden haben
- Zeigt: Sie haben zugehört
3. Zielsetzung
- Was soll erreicht werden?
- Messbare Erfolgskriterien
4. Vorgehen / Methodik
- Wie gehen Sie vor?
- Phasen und Meilensteine
- Was ist Ihr USP?
5. Lieferobjekte
- Was bekommt der Kunde konkret?
- Dokumentation, Workshops, Ergebnisse
6. Ihr Team
- Wer arbeitet am Projekt?
- Relevante Erfahrung
7. Investition
- Preis und Zahlungsplan
- Was ist enthalten, was nicht
8. Nächste Schritte
- Wie geht es weiter?
- Gültigkeit
Typische Fehler im Beratungsangebot
Zu generisch: Kunde sieht nicht, dass Sie sein Problem verstanden haben.
Zu lang: 40 Seiten für ein 20.000 €-Projekt.
Zu technisch: Entscheider versteht nichts.
Kein klarer Nutzen: Features statt Benefits.
Mehr zum perfekten IT-Angebot →
Phase 6: Die Verhandlung
Preisverhandlung für Berater
Nie den ersten Preis nennen:
"In welchem Budget-Rahmen bewegen wir uns?"
Preis anchoring:
"Projekte dieser Größenordnung liegen typischerweise zwischen 50.000 € und 80.000 €, je nach Tiefe und Umfang."
Bei Preisdruck:
- Scope reduzieren statt Preis senken
- Phasen aufteilen
- Rabatt nur gegen Gegenleistung (Laufzeit, Referenz)
Typische Einwände und Antworten
"Das ist zu teuer."
"Was wäre ein angemessener Preis aus Ihrer Sicht? Dann schauen wir, welchen Umfang wir dafür realisieren können."
"Wir müssen noch andere Anbieter prüfen."
"Das verstehe ich. Was sind die wichtigsten Kriterien für Ihre Entscheidung?"
"Wir haben gerade kein Budget."
"Wann wird das Budget wieder verfügbar? Ich halte Sie gerne auf dem Laufenden und wir starten dann."
"Das können wir intern."
"Was hindert Sie daran, es bereits intern zu lösen? Oft ist es eine Frage von Kapazität oder spezifischer Expertise, wo externe Unterstützung sinnvoll ist."
Den Auftrag holen
Buying Signals erkennen:
- Detailfragen zu Ablauf
- Fragen nach Verfügbarkeit
- Gespräch mit weiteren Stakeholdern
Zum Abschluss führen:
"Wie möchten Sie weiter vorgehen? Ich könnte den Projektstart für [Datum] einplanen, wenn Sie bis [Datum] beauftragen."
Phase 7: Nach dem Projekt
Referenzen generieren
Am Projektende:
"Wie zufrieden sind Sie mit dem Projektergebnis? Wären Sie bereit, das in einem kurzen Testimonial zusammenzufassen?"
LinkedIn-Empfehlung anfragen: Konkreten Text vorschlagen (erleichtert dem Kunden die Arbeit).
Empfehlungen bitten
"Kennen Sie jemanden, der vor ähnlichen Herausforderungen steht und von meiner Unterstützung profitieren könnte?"
Follow-up für Folgeaufträge
Quartals-Check-in:
"Wie läuft das Projekt seit unserem Abschluss? Gibt es neue Themen, bei denen ich unterstützen kann?"
Jahresgespräch: Strategische Themen besprechen, neue Projekte identifizieren.
Checkliste: IT-Beratung erfolgreich verkaufen
Positionierung
- Klare Spezialisierung definiert
- Positionierungs-Statement formuliert
- 3+ Fallstudien dokumentiert
Sichtbarkeit
- LinkedIn-Profil optimiert
- Content-Plan erstellt
- Regelmäßig publizieren (2-3x/Woche)
Lead-Generierung
- Inbound-Kanäle aufbauen
- Outbound-Aktivitäten planen
- Netzwerk aktivieren
Gespräche
- Gesprächsleitfaden vorbereitet
- Qualifizierungskriterien definiert
- CRM/Tracking eingerichtet
Angebote
- Angebotsvorlage erstellt
- Referenzen eingebunden
- Nachfass-Prozess definiert
Fazit
IT-Beratung zu verkaufen bedeutet, Vertrauen aufzubauen und Expertise sichtbar zu machen. Die besten Berater sind nicht die besten Verkäufer im klassischen Sinne – aber sie verstehen, wie Kunden denken und entscheiden.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Spezialisierung schlägt Generalisierung
- Sichtbarkeit kommt vor Akquise
- Fragen stellen > Antworten geben
- Das Angebot ist Ihr Abschluss-Tool
- Nach dem Projekt ist vor dem nächsten
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