Consulting-Tagessatz durchsetzen: So erhalten Sie, was Sie wert sind
Wie setzen IT-Berater höhere Tagessätze durch? Strategien für Preisverhandlungen, Umgang mit Einkauf und Argumente für Premium-Preise.
Consulting-Tagessatz durchsetzen: Strategien für Premium-Preise
Der Tagessatz ist für IT-Berater die zentrale Stellschraube für den wirtschaftlichen Erfolg. Doch viele Berater verkaufen sich unter Wert – aus Angst, den Auftrag zu verlieren. Dieser Artikel zeigt, wie Sie Ihre Tagessätze selbstbewusst durchsetzen.
Warum Tagessätze unter Druck stehen
Die Realität des Marktes
Preisdruck kommt von:
- Einkaufsabteilungen mit Benchmark-Listen
- Wettbewerb durch Offshore und Nearshore
- Rahmenverträge mit Maximal-Tagessätzen
- Pauschale Budget-Kürzungen
Aber auch von Ihnen selbst:
- Unsicherheit über den eigenen Wert
- Angst vor Ablehnung
- Fehlende Verhandlungserfahrung
- Kein Differenzierungsmerkmal
Die Konsequenzen niedriger Tagessätze
| Tagessatz | Fakturierbare Tage/Jahr | Jahresumsatz | Nach Kosten |
|---|---|---|---|
| 900 € | 150 | 135.000 € | ~95.000 € |
| 1.200 € | 150 | 180.000 € | ~135.000 € |
| 1.500 € | 150 | 225.000 € | ~175.000 € |
Differenz zwischen 900 € und 1.200 €: 45.000 € pro Jahr – bei gleicher Arbeit.
Grundlagen: Was bestimmt Ihren Tagessatz?
Die drei Werttreiber
1. Angebot und Nachfrage
- Knappe Skills = höhere Preise
- Übersättigte Märkte = Preisdruck
- Marktbeobachtung ist Pflicht
2. Wahrgenommener Wert
- Was ist das Ergebnis dem Kunden wert?
- Risikominimierung hat hohen Wert
- Schnellere Time-to-Market = Wert
3. Ihre Positionierung
- Spezialist > Generalist
- Referenzen und Track Record
- Persönliche Marke
Typische Tagessätze IT-Consulting 2026
| Bereich | Junior | Senior | Expert |
|---|---|---|---|
| IT-Strategie | 1.100 € | 1.400 € | 1.800+ € |
| Cloud-Architektur | 1.000 € | 1.350 € | 1.700 € |
| SAP-Beratung | 1.100 € | 1.400 € | 1.900 € |
| Security Consulting | 1.050 € | 1.300 € | 1.700 € |
| Projekt-/Programm-Management | 1.000 € | 1.250 € | 1.600 € |
| Agile Coaching | 950 € | 1.200 € | 1.500 € |
| Data/AI Consulting | 1.100 € | 1.400 € | 1.800 € |
Werte für DACH-Raum, Remote/Hybrid, ohne Spesen
Strategie 1: Wert statt Zeit verkaufen
Das Problem mit Tagessätzen
Tagessätze commoditisieren Ihre Arbeit. Sie werden vergleichbar mit anderen Beratern, die den gleichen Tagessatz aufrufen.
Die Lösung: Verkaufen Sie Ergebnisse, nicht Zeit.
Value-Based Pricing
Traditionell:
"Mein Tagessatz ist 1.200 €. Ich schätze 20 Tage." Kosten: 24.000 €
Value-Based:
"Durch die Optimierung sparen Sie jährlich 200.000 €. Die Investition für die Umsetzung beträgt 45.000 €." ROI: 4,4x im ersten Jahr
Wann Value-Based funktioniert:
- Messbarer Business Impact
- Kunde denkt in ROI
- Sie können den Wert quantifizieren
Wann Tagessatz besser ist:
- Unklarer Scope
- Beratung ohne direkten Impact
- Kunde will Transparenz über Aufwand
Hybrid-Ansatz
- Phasen mit klarem Output: Festpreis
- Offene Beratung: Tagessatz
Strategie 2: Premium-Positionierung
Was Premium-Preise rechtfertigt
1. Spezialisierung
- Je enger die Nische, desto weniger Wettbewerb
- Experte für SAP S/4HANA in Pharma > "SAP-Berater"
2. Track Record
- Referenzen bei bekannten Unternehmen
- Messbare Erfolge ("30% Kostensenkung bei...")
- Lange Projekterfahrung
3. Persönliche Marke
- Veröffentlichungen, Vorträge
- LinkedIn-Präsenz
- Reputation in der Community
4. Einzigartige Methodik
- Eigenes Framework
- Bewährter Prozess
- Dokumentierter Ansatz
Premium kommunizieren
Im Gespräch:
"Ich arbeite anders als klassische Berater. In meinem Ansatz kombiniere ich [X] mit [Y], was in 15 Projekten zu durchschnittlich [Z] Ergebnis geführt hat."
Im Angebot: Fallstudien, Methodik-Beschreibung, Team-Profile mit Credentials
Strategie 3: Die Verhandlung gewinnen
Vorbereitung ist alles
Vor dem Gespräch klären:
- Was ist Ihr Minimum? (Walk-away-Preis)
- Was ist Ihr Zielpreis?
- Welche Alternativen haben Sie?
- Was wissen Sie über das Budget des Kunden?
BATNA-Prinzip: Best Alternative To a Negotiated Agreement Je besser Ihre Alternativen, desto stärker Ihre Position.
Den Preis richtig nennen
Niemals:
- Preis als Erstes nennen
- Preis unsicher aussprechen
- Preis rechtfertigen, bevor er genannt ist
Stattdessen:
1. Wert aufbauen:
"Basierend auf dem, was Sie mir geschildert haben, sehe ich einen klaren Weg, wie wir das Problem lösen können. Unser Vorgehen hat bei [Referenz] zu [Ergebnis] geführt."
2. Preis verankern:
"Projekte dieser Größenordnung liegen typischerweise zwischen 60.000 € und 90.000 €."
3. Preis nennen:
"Für den besprochenen Umfang kalkuliere ich mit 75.000 €."
4. Pause machen: Wer nach dem Preis spricht, verliert.
Auf Preiseinwände reagieren
"Das ist zu teuer."
- Nicht: Sofort reduzieren
- Stattdessen: Nachfragen
"Verglichen womit? Was wäre ein angemessener Preis aus Ihrer Sicht?"
"Andere bieten günstiger an."
"Das kann sein. Die Frage ist, was Sie dafür bekommen. Darf ich fragen, welche Erfahrung die Alternative in [Ihrem speziellen Bereich] mitbringt?"
"Wir haben nur X Budget."
"Dann schauen wir, welchen Umfang wir für X realisieren können. Ich schlage vor, wir priorisieren gemeinsam."
"Unser Einkauf erlaubt maximal Y Tagessatz."
"Ich verstehe die Rahmenbedingungen. Bei meinem Tagessatz von Z bekommen Sie allerdings [differenzierender Wert]. Gibt es Möglichkeiten, eine Ausnahme zu erwirken?"
Konzessionen richtig machen
Nie ohne Gegenleistung:
"Ich kann Ihnen 1.100 € statt 1.200 € anbieten, wenn wir das Projekt auf 6 Monate ausdehnen."
Typische Gegenleistungen:
- Längere Laufzeit
- Vorauszahlung
- Referenznutzung
- Weniger Scope
- Flexiblere Zeiten
Wenn Sie Nein sagen müssen
Manchmal ist kein Auftrag besser als ein schlechter Auftrag.
Wann ablehnen:
- Unter Ihrem Minimum-Tagessatz
- Schwieriger Kunde absehbar
- Projekt gefährdet Ihre Reputation
Wie ablehnen:
"Ich schätze Ihr Interesse, aber bei diesem Preisniveau kann ich nicht die Qualität liefern, die ich von mir selbst erwarte. Wenn sich Ihr Budget ändert, melden Sie sich gerne."
Strategie 4: Umgang mit Einkauf
Die Spielregeln des Einkaufs
Einkauf hat andere Ziele:
- Kosten minimieren
- Vergleichbarkeit herstellen
- Lieferantenmanagement
Typische Taktiken:
- Benchmark-Vergleiche
- Ausschreibungen mit vielen Bietern
- "Letzte Preisrunde"
- Verzögerungstaktik
So reagieren Sie
Bei Benchmark-Vergleich:
"Ich verstehe, dass Sie Vergleichswerte heranziehen. Mein Tagessatz reflektiert [Spezialisierung, Erfahrung, garantierte Ergebnisse]. Vergleichen wir Äpfel mit Äpfeln?"
Bei "letzter Preisrunde":
"Mein Preis ist kalkuliert. Wenn das nicht passt, müssen wir den Scope anpassen."
Bei Verzögerung:
"Ich halte mir den Projektstart bis [Datum] frei. Danach habe ich andere Zusagen und kann keine Verfügbarkeit garantieren."
Über den Einkauf hinweg
Mit der Fachabteilung arbeiten: Wenn der Fachbereich Sie unbedingt will, hat Einkauf weniger Spielraum.
Wert dokumentieren: Business Cases, ROI-Berechnungen, Referenzen – alles, was Einkauf intern argumentieren kann.
Strategie 5: Rahmenverträge optimieren
Das Problem mit Rahmenverträgen
Viele Berater unterschreiben Rahmenverträge mit Maximal-Tagessätzen, die unter Markt liegen – weil sie Zugang zu Aufträgen versprechen.
Die Realität:
- Oft weniger Aufträge als erhofft
- Preise festzementiert
- Schwer rauszukommen
Verhandlungsspielräume bei Rahmenverträgen
Was Sie verhandeln können:
- Tagessatz nach Rolle differenzieren
- Jährliche Preisanpassung vereinbaren
- Mindestabnahmevolumen fordern
- Exklusivität begrenzen
Was Sie prüfen sollten:
- Laufzeit (max. 1-2 Jahre sinnvoll)
- Kündigungsfristen
- Abrufverbindlichkeit
Alternative: Ohne Rahmenvertrag
Für manche Kunden kann es sinnvoller sein, Projekt für Projekt zu verhandeln:
- Mehr Flexibilität
- Preise marktgerecht
- Keine Abhängigkeit
Strategie 6: Den Preis erhöhen
Wann erhöhen?
Indikationen für Preiserhöhung:
- Volle Auslastung (>80%)
- Nachfrage übersteigt Kapazität
- Neue Qualifikationen/Zertifizierungen
- Jährliche Inflationsanpassung
Wie erhöhen?
Bei Neukunden: Einfach neuen Preis nennen. Keine Erklärung nötig.
Bei Bestandskunden:
- Vorankündigung:
"Zum nächsten Quartal passe ich meine Tagessätze an die Marktentwicklung an. Für Sie bedeutet das eine Anpassung von 1.200 € auf 1.280 €."
- Begründung (optional):
- Gestiegene Kosten
- Erweiterte Qualifikation
- Marktanpassung
- Wert betonen:
"Gleichzeitig bringe ich jetzt auch Expertise in [neuer Bereich] mit, was für Ihre Projekte wertvoll sein dürfte."
Wie viel erhöhen?
- Jährlich: 3-5% (Inflationsausgleich)
- Bei Qualifikation: 5-15%
- Bei Neupositionierung: 15-30%
Die Psychologie des Preises
Selbstbewusstsein ausstrahlen
Kunden spüren Unsicherheit. Wenn Sie selbst nicht an Ihren Preis glauben, tut es der Kunde auch nicht.
Übung: Sprechen Sie Ihren Tagessatz laut aus. Vor dem Spiegel. Mit Freunden. Bis es sich natürlich anfühlt.
Der Ankereffekt
Die erste genannte Zahl beeinflusst alle weiteren Verhandlungen.
Nutzen Sie das:
"Projekte dieser Art liegen zwischen 80.000 € und 120.000 €." Der Kunde wird sich an der 80.000 € orientieren, nicht an der 50.000 €, die er ursprünglich dachte.
Verlustaversion
Menschen fürchten Verluste mehr als sie Gewinne schätzen.
Im Verkaufsgespräch:
"Ohne Modernisierung verlieren Sie jährlich geschätzt 200.000 € durch ineffiziente Prozesse." Statt: "Mit der Modernisierung sparen Sie 200.000 €."
Reziprozität
Wenn Sie zuerst Wert geben, fühlt sich der Kunde verpflichtet.
Praktisch:
- Kostenloser Kurz-Audit im Erstgespräch
- Whitepaper oder Checkliste teilen
- Insight aus ähnlichen Projekten geben
Checkliste: Tagessatz durchsetzen
Vorbereitung
- Marktpreise recherchiert
- Eigenes Minimum definiert
- BATNA geklärt (Alternativen)
- Wert-Argumente vorbereitet
Im Gespräch
- Wert vor Preis aufgebaut
- Preis selbstbewusst genannt
- Nach dem Preis Pause gemacht
- Einwände mit Fragen gekontert
Verhandlung
- Keine Konzession ohne Gegenleistung
- Scope statt Preis angepasst
- Bereit, Nein zu sagen
Nachbereitung
- Ergebnis dokumentiert
- Learnings festgehalten
- Bei Absage: Grund erfragt
Fazit
Ihren Tagessatz durchzusetzen ist keine Frage von Tricks – es ist eine Frage von Wert, Positionierung und Selbstbewusstsein.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Verkaufen Sie Wert, nicht Zeit
- Spezialisierung rechtfertigt Premium-Preise
- Vorbereitung entscheidet die Verhandlung
- Konzessionen nur gegen Gegenleistung
- Nein sagen ist besser als unter Wert arbeiten
Der nächste Schritt: Erhöhen Sie Ihren Tagessatz um 10% beim nächsten Neukunden. Sie werden überrascht sein, wie oft es funktioniert.
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