Zahlungsziel Rechnung: Formulierungen, Fristen und Tipps
Wie formulierst du das Zahlungsziel auf Rechnungen richtig? Mit Formulierungsbeispielen, rechtlichen Grundlagen und Tipps für schnellere Zahlung.
Zahlungsziel Rechnung: Formulierungen, Fristen und Tipps
"Zahlbar innerhalb von 14 Tagen" – aber wann fängt die Frist an? Und was passiert, wenn der Kunde nicht zahlt? Das Zahlungsziel auf deiner Rechnung ist mehr als eine Floskel. Es bestimmt, wann du dein Geld bekommst und welche Rechte du hast.
In diesem Guide erfährst du alles über Zahlungsziele: Formulierungen, rechtliche Grundlagen und Tricks für schnellere Zahlung.
Was ist ein Zahlungsziel?
Das Zahlungsziel ist der Zeitpunkt, bis zu dem eine Rechnung bezahlt werden muss. Es kann angegeben werden als:
- Frist: "Zahlbar innerhalb von 14 Tagen"
- Datum: "Zahlbar bis zum 15.02.2025"
- Sofort: "Zahlbar sofort ohne Abzug"
Nach Ablauf des Zahlungsziels gerät der Kunde in Verzug – und du kannst Verzugszinsen verlangen.
Gesetzliche Regelung: Was gilt ohne Zahlungsziel?
Wenn du kein Zahlungsziel angibst, gilt die gesetzliche Regelung (§ 286 BGB):
B2B (Geschäftskunden): Der Kunde gerät automatisch 30 Tage nach Rechnungszugang in Verzug – auch ohne Mahnung!
B2C (Privatkunden): Hier muss der Verzug in der Rechnung angedroht werden. Sonst musst du erst mahnen.
Empfehlung: Gib immer ein Zahlungsziel an. Dann ist alles klar geregelt.
Übliche Zahlungsziele
| Branche/Situation | Übliches Zahlungsziel |
|---|---|
| Freelancer an Unternehmen | 14-30 Tage |
| Agentur an Unternehmen | 30 Tage |
| Konzern an Lieferanten | 45-60 Tage (leider) |
| Handwerker an Privat | 7-14 Tage |
| Online-Shop | Sofort bei Bestellung |
| Nach Projektabschluss | 14 Tage |
Als Freelancer:
- Kurze Zahlungsziele (14 Tage) sind branchenüblich und akzeptiert
- Längere Zahlungsziele nur bei guter Kundenbeziehung oder größeren Projekten
- Abschlagszahlungen bei längeren Projekten reduzieren dein Risiko
Formulierungen für das Zahlungsziel
Standard-Formulierungen
14 Tage:
"Zahlbar innerhalb von 14 Tagen ab Rechnungsdatum ohne Abzug."
30 Tage:
"Bitte überweisen Sie den Rechnungsbetrag innerhalb von 30 Tagen auf das unten angegebene Konto."
Mit konkretem Datum:
"Zahlbar bis zum 28.02.2025 ohne Abzug."
Sofortige Zahlung:
"Der Rechnungsbetrag ist sofort fällig."
Formulierungen mit Skonto
Skonto motiviert zur schnellen Zahlung:
"Zahlbar innerhalb von 30 Tagen. Bei Zahlung innerhalb von 7 Tagen gewähren wir 2% Skonto."
"14 Tage 2% Skonto, 30 Tage netto."
Rechnet sich Skonto? 2% Skonto bei 23 Tagen früher = ca. 31% Jahreszins für den Kunden. Viele Firmen nutzen das, weil es günstiger ist als ihre Kreditkonditionen.
Formulierungen mit Verzugshinweis
Höflich aber bestimmt:
"Zahlbar innerhalb von 14 Tagen. Nach Ablauf dieser Frist berechnen wir Verzugszinsen gemäß § 288 BGB."
Deutlicher:
"Zahlungsziel: 14 Tage. Bei Nichtzahlung behalten wir uns die Berechnung von Verzugszinsen (9 Prozentpunkte über Basiszins) sowie einer Mahnpauschale von 40 € vor."
Freundliche Formulierungen
Positiv formuliert:
"Wir freuen uns über Ihre Zahlung innerhalb von 14 Tagen."
Mit Dank:
"Bitte überweisen Sie den Betrag innerhalb von 14 Tagen. Vielen Dank für die prompte Zahlung!"
Wann beginnt die Zahlungsfrist?
Das ist wichtiger als viele denken:
"Innerhalb von 14 Tagen" – aber ab wann?
- Ab Rechnungsdatum: Klar, einfach zu berechnen
- Ab Rechnungszugang: Rechtlich korrekt, aber wann ist "Zugang"?
- Ab Lieferung/Leistung: Bei physischen Waren üblich
Empfehlung: Formuliere eindeutig.
"Zahlbar innerhalb von 14 Tagen ab Rechnungsdatum (15.01.2025), spätestens bis zum 29.01.2025."
So gibt es keine Diskussion.
Verzug: Was passiert nach Ablauf?
Wenn der Kunde nicht innerhalb des Zahlungsziels zahlt, ist er im Verzug. Dann darfst du:
1. Verzugszinsen berechnen
B2B: 9 Prozentpunkte über Basiszinssatz (aktuell ca. 12-13% p.a.) B2C: 5 Prozentpunkte über Basiszinssatz (aktuell ca. 8-9% p.a.)
Berechnung:
Verzugszinsen = Rechnungsbetrag × Zinssatz × (Verzugstage ÷ 365)
Beispiel:
5.000 € × 12% × (30 ÷ 365) = 49,32 €
2. Mahnpauschale verlangen (B2B)
Bei Geschäftskunden darfst du eine Pauschale von 40 € für den Verzugsschaden verlangen (§ 288 Abs. 5 BGB) – zusätzlich zu den Verzugszinsen.
3. Weitere Schadensersatzansprüche
Wenn dir durch den Verzug weitere Kosten entstehen (Anwalt, Inkasso), kannst du diese geltend machen.
Zahlungsziel im Angebot festlegen
Der beste Zeitpunkt, das Zahlungsziel zu klären: Im Angebot, nicht erst auf der Rechnung.
Im Angebot:
"Zahlungsbedingungen: 50% Anzahlung bei Auftragserteilung, 50% bei Projektabschluss. Zahlungsziel jeweils 14 Tage."
Warum?
- Der Kunde stimmt den Bedingungen vor Projektstart zu
- Keine Überraschungen bei der Rechnung
- Bessere Verhandlungsposition
Zahlungsziele bei Großkunden
Konzerne haben oft eigene "Zahlungsrichtlinien":
"Wir zahlen grundsätzlich 60 Tage nach Rechnungseingang."
Deine Optionen:
- Akzeptieren: Bei wichtigen Kunden manchmal unvermeidbar
- Verhandeln: "Mein Standard sind 14 Tage. Bei 30 Tagen können wir uns treffen."
- Preis anpassen: Längere Zahlungsziele = höherer Preis (Finanzierungskosten)
- Ablehnen: Wenn die Konditionen nicht stimmen
Pro-Tipp: Frag vor Angebotserstellung nach den Zahlungsbedingungen. So weißt du, worauf du dich einlässt.
Tipps für schnellere Zahlung
1. Rechnung sofort senden
Je schneller die Rechnung rausgeht, desto schneller kommt das Geld. Am besten: Am Tag des Projektabschlusses.
2. Kurze Zahlungsziele setzen
Studien zeigen: Kürzere Fristen führen zu schnellerer Zahlung. 14 Tage statt 30 Tage funktioniert oft.
3. Klare Zahlungsinformationen
Auf die Rechnung gehören:
- IBAN und BIC gut sichtbar
- Kontoinhaber
- Verwendungszweck (Rechnungsnummer)
Je einfacher du es machst, desto schneller wird gezahlt.
4. Skonto anbieten
2% Skonto bei Zahlung innerhalb von 7 Tagen motiviert. Und du hast das Geld früher.
5. Abschlagszahlungen vereinbaren
Bei größeren Projekten:
- 30% bei Auftragserteilung
- 30% bei Meilenstein X
- 40% bei Abschluss
So minimierst du dein Risiko und verbesserst deinen Cashflow.
6. Freundlich erinnern
2-3 Tage vor Ablauf eine freundliche Erinnerung:
"Kurze Erinnerung: Die Rechnung Nr. 2024-042 ist am 28.01. fällig. Falls Sie Fragen haben, melden Sie sich gerne."
Oft zahlen Kunden nicht, weil sie vergessen haben – nicht weil sie nicht wollen.
7. Automatisieren
Nutze Rechnungssoftware, die:
- Automatisch Zahlungserinnerungen sendet
- Den Zahlungseingang trackt
- Mahnungen generiert
Muster: Zahlungsbedingungen auf der Rechnung
ZAHLUNGSBEDINGUNGEN
Rechnungsbetrag: 5.950,00 € (inkl. 19% MwSt.)
Zahlungsziel: 14 Tage (bis 29.01.2025)
Bei Zahlung bis 22.01.2025: 2% Skonto (119,00 €)
Skonto-Betrag: 5.831,00 €
Bankverbindung:
Max Mustermann IT-Beratung
IBAN: DE89 3704 0044 0532 0130 00
BIC: COBADEFFXXX
Verwendungszweck: RE-2025-012
Nach Ablauf des Zahlungsziels berechnen wir Verzugszinsen
gemäß § 288 BGB sowie eine Mahnpauschale von 40 €.
Rechtliche Fallstricke vermeiden
AGB vs. Individualvereinbarung
Zahlungsziele in AGB müssen "angemessen" sein. Zu lange Fristen (z.B. 120 Tage) können unwirksam sein.
Besser: Im Angebot individuell vereinbaren.
Rechnungspflichtangaben
Die Zahlungsfrist selbst ist keine Pflichtangabe. Aber wenn du Skonto oder Verzugszinsen angibst, müssen diese korrekt sein.
Verjährung beachten
Forderungen verjähren nach 3 Jahren (zum Jahresende). Rechnung vom Januar 2025 verjährt am 31.12.2028.
Fazit: Zahlungsziel ist Chefsache
Das Zahlungsziel bestimmt deinen Cashflow. Als Freelancer ist Cashflow überlebenswichtig.
Die wichtigsten Punkte:
- Immer ein Zahlungsziel angeben
- 14 Tage sind üblich und akzeptiert
- Im Angebot festlegen, nicht erst auf der Rechnung
- Bei Verzug: Zinsen und Mahnpauschale sind dein Recht
- Kurze Fristen und Skonto beschleunigen die Zahlung
Vom Angebot zur Rechnung
Ein gutes Zahlungsziel startet schon im Angebot. Wenn der Kunde deinen Zahlungsbedingungen vor Projektstart zustimmt, gibt es später keine Diskussion.
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