Zurück zum Blog
Preisgestaltung

Tagessatz berechnen: So findest du als Freelancer deinen Preis

SimpleProposals Team·
#Tagessatz#Freelancer#Kalkulation#Stundensatz#IT-Berater

Lerne, wie du deinen Tagessatz als Freelancer richtig berechnest. Mit Formel, Beispielrechnung und aktuellen Marktdaten für IT-Berater.

Tagessatz berechnen: So findest du als Freelancer deinen Preis

Du startest als Freelancer oder willst deine Preise endlich auf ein solides Fundament stellen? Der Tagessatz ist eine der wichtigsten Entscheidungen für dein Business – und gleichzeitig eine der schwierigsten.

Zu niedrig kalkuliert, arbeitest du dich arm. Zu hoch, und du verlierst Aufträge. In diesem Guide zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du deinen optimalen Tagessatz berechnest.

Warum der Tagessatz so wichtig ist

Als Angestellter bekommst du ein Gehalt. Fertig. Als Freelancer musst du selbst kalkulieren – und dabei viel mehr berücksichtigen:

  • Keine bezahlten Urlaubstage
  • Keine Lohnfortzahlung bei Krankheit
  • Eigene Krankenversicherung
  • Altersvorsorge komplett selbst
  • Akquise-Zeit, die niemand bezahlt
  • Weiterbildung auf eigene Kosten

Der häufigste Fehler: Freelancer nehmen ihr altes Angestellten-Gehalt, rechnen es auf Stunden um und wundern sich, warum am Ende nichts übrig bleibt.

Die Formel: Tagessatz berechnen

Schritt 1: Zielgehalt festlegen

Was willst du netto verdienen? Nicht was du "als Freelancer halt so bekommst", sondern was du brauchst und verdienst.

Beispiel: 5.000 € netto pro Monat = 60.000 € netto pro Jahr

Schritt 2: Echte Kosten addieren

Position Monatlich Jährlich
Krankenversicherung 800 € 9.600 €
Rentenvorsorge 500 € 6.000 €
Berufsunfähigkeit 150 € 1.800 €
Haftpflicht 30 € 360 €
Büro/Coworking 300 € 3.600 €
Software & Tools 200 € 2.400 €
Steuerberater 250 € 3.000 €
Weiterbildung 200 € 2.400 €
Rücklagen (10%) 500 € 6.000 €
Summe Kosten 2.930 € 35.160 €

Schritt 3: Steuern einkalkulieren

Bei 60.000 € netto + 35.160 € Kosten = 95.160 € Jahresumsatz brauchst du ungefähr 42% für Einkommensteuer und Gewerbesteuer.

Benötigter Bruttoumsatz: ca. 165.000 € pro Jahr

Schritt 4: Fakturierbare Tage berechnen

Ein Jahr hat 365 Tage. Davon ziehen wir ab:

Abzug Tage
Wochenenden 104
Feiertage 10
Urlaub 30
Krankheit 10
Akquise & Admin 30
Weiterbildung 10
Fakturierbare Tage 171

Manche rechnen mit 200 Tagen. Das ist unrealistisch, wenn du nicht ausbrennen willst.

Schritt 5: Tagessatz berechnen

165.000 € ÷ 171 Tage = 965 € Tagessatz

Aufgerundet: 1.000 € pro Tag oder 125 € pro Stunde (bei 8h)

Beispielrechnung: Junior vs. Senior

Junior IT-Berater (2-3 Jahre Erfahrung)

  • Zielgehalt netto: 3.500 €/Monat
  • Kosten: ca. 2.200 €/Monat
  • Benötigter Umsatz: ca. 115.000 €/Jahr
  • Fakturierbare Tage: 171
  • Tagessatz: ca. 670 €

Senior IT-Berater (7+ Jahre Erfahrung)

  • Zielgehalt netto: 7.000 €/Monat
  • Kosten: ca. 3.500 €/Monat
  • Benötigter Umsatz: ca. 215.000 €/Jahr
  • Fakturierbare Tage: 171
  • Tagessatz: ca. 1.260 €

Marktübliche Tagessätze 2025

Was zahlt der Markt aktuell? Hier eine Übersicht für IT-Freelancer:

Rolle Tagessatz-Range
Junior Developer 500 - 700 €
Senior Developer 800 - 1.100 €
Lead Developer 1.000 - 1.300 €
DevOps Engineer 900 - 1.200 €
Cloud Architect 1.100 - 1.500 €
IT-Projektleiter 1.000 - 1.400 €
SAP Berater 1.000 - 1.600 €
Data Engineer 900 - 1.300 €
IT Security 1.000 - 1.400 €

Wichtig: Diese Zahlen sind Durchschnittswerte. Spezialisierung, Standort und Verhandlungsgeschick machen große Unterschiede.

Die 5 häufigsten Fehler bei der Tagessatz-Kalkulation

Fehler 1: Angestellten-Gehalt als Basis

"Ich hatte 70.000 € brutto als Angestellter, also nehme ich 350 € Tagessatz."

Das funktioniert nicht. Als Angestellter zahlte dein Arbeitgeber nochmal 20-30% obendrauf für Sozialabgaben, Urlaub, Krankheit. Und du hattest keine Akquise-Zeit.

Fehler 2: Mit 220 Tagen rechnen

220 fakturierbare Tage bedeutet: kein Urlaub, nie krank, keine Weiterbildung, keine Akquise-Phasen. Das geht maximal 2 Jahre gut – dann brennst du aus.

Fehler 3: Keine Rücklagen einplanen

Projekte fallen weg. Kunden zahlen spät. Die Auftragslage schwankt. Ohne 3-6 Monate Rücklagen bist du bei der nächsten Flaute in Panik.

Fehler 4: Den eigenen Wert unterschätzen

"Ich bin ja noch nicht so lange selbstständig." – Irrelevant. Es zählt, was du kannst und welchen Wert du lieferst. Ein Spezialist mit 3 Jahren Erfahrung kann mehr wert sein als ein Generalist mit 10.

Fehler 5: Keine Differenzierung nach Projekttyp

Nicht jedes Projekt ist gleich:

  • Langfristiges Projekt (6+ Monate): Du kannst 10-15% unter deinem Standard gehen – weniger Akquise-Aufwand
  • Kurzprojekt (unter 1 Monat): 15-20% Aufschlag – höherer Overhead
  • Notfall/Eilauftrag: 30-50% Aufschlag – du reorganisierst deinen Kalender

Tagessatz verhandeln: 3 Strategien

Strategie 1: Wert statt Zeit verkaufen

Statt "Ich koste 1.000 € am Tag" sagst du:

"Durch die Migration sparen Sie 40.000 € Lizenzkosten pro Jahr. Mein Investment für die Umsetzung liegt bei 15.000 €."

Der Kunde sieht den ROI, nicht deine Stunden.

Strategie 2: Paketpreise anbieten

Statt Tagessätze zu diskutieren, bietest du Festpreise:

  • Analyse-Paket: 3.500 €
  • Implementierung: 12.000 €
  • Support-Paket: 2.000 €/Monat

Du kontrollierst den Preis, der Kunde hat Planungssicherheit.

Strategie 3: Nie als Erster den Preis nennen

Kunde: "Was ist Ihr Tagessatz?" Du: "Das hängt vom Projektumfang ab. Was ist denn Ihr Budget für dieses Projekt?"

Oft ist das Budget höher als du gedacht hättest.

Tagessatz erhöhen: Wann und wie?

Du solltest deinen Tagessatz regelmäßig erhöhen:

  • Jährlich: Mindestens Inflationsausgleich (3-5%)
  • Nach Spezialisierung: Du hast eine gefragte Nische? +20-30%
  • Nach Referenzprojekt: Ein großer Name im Portfolio? +10-15%
  • Bei hoher Auslastung: Wenn du zu viele Anfragen hast, bist du zu günstig

Wie kommunizieren?

"Ab dem 1. April liegt mein Tagessatz bei 1.100 €. Für unser laufendes Projekt bleibt der vereinbarte Satz natürlich bestehen."

Klar, sachlich, ohne Rechtfertigung.

Der Tagessatz steht – und jetzt?

Du hast deinen Tagessatz berechnet. Du weißt, was du wert bist. Jetzt musst du diesen Wert noch kommunizieren – in einem Angebot, das den Kunden überzeugt.

Ein professionelles Angebot:

  • Zeigt deinen Wert, nicht nur deinen Preis
  • Strukturiert deine Leistungen klar
  • Wirkt professioneller als ein Word-Dokument
  • Macht es dem Kunden leicht, Ja zu sagen

Mit SimpleProposals erstellst du Angebote, die deinen Tagessatz rechtfertigen. Professionelle Vorlagen, klare Struktur, in Minuten fertig statt Stunden.

Jetzt kostenlos testen


Zusammenfassung

  1. Zielgehalt festlegen – Was willst du verdienen?
  2. Alle Kosten addieren – Versicherung, Vorsorge, Tools, Rücklagen
  3. Steuern einkalkulieren – Ca. 40-45% vom Umsatz
  4. Realistische Tage – 170, nicht 220
  5. Rechnen – Jahresumsatz ÷ fakturierbare Tage = Tagessatz

Und dann: Nicht unter Wert verkaufen. Dein Preis ist dein Preis.

S

SimpleProposals Team

Wir helfen IT-Beratern, professionelle Angebote zu erstellen.

Angebote schneller erstellen?

SimpleProposals hilft IT-Beratern, in Minuten statt Stunden professionelle Angebote zu erstellen.

Kostenlos starten
Tagessatz berechnen: So findest du als Freelancer deinen Preis | SimpleProposals